Niedriger Blutdruck ist für viele Menschen ein ständiger Begleiter: Morgens kommt der Kreislauf nur schwer in Gang, beim schnellen Aufstehen wird kurz schwarz vor Augen, und am Nachmittag fehlt die Energie. Die gute Nachricht vorweg: Meist ist niedriger Blutdruck harmlos und lässt sich mit einfachen Gewohnheiten gut in den Griff bekommen.
In diesem Guide erfährst du, ab welchen Werten Fachleute von Hypotonie sprechen, welche Symptome typisch sind und welche Ursachen dahinterstecken können. Außerdem bekommst du sieben bewährte Tipps für den Alltag und eine klare Übersicht, wann du ärztlichen Rat einholen solltest.
Was ist niedriger Blutdruck?
Niedriger Blutdruck, medizinisch Hypotonie, bedeutet, dass der Druck in deinen Arterien unter den üblichen Werten liegt. Nach Angaben der Techniker Krankenkasse sprechen Fachleute bei Männern von Werten unter 110/70 mmHg und bei Frauen von Werten unter 100/60 mmHg. Andere Quellen setzen die Grenze bei einem oberen Wert unter 100 mmHg an.
Die erste Zahl ist der systolische Wert: Er beschreibt den Druck, wenn sich das Herz zusammenzieht und Blut in die Gefäße pumpt. Die zweite Zahl, der diastolische Wert, gibt den Druck in der Entspannungsphase des Herzens an. Beide Werte schwanken im Tagesverlauf, etwa durch Schlaf, Bewegung, Mahlzeiten oder Stress.
Wichtig für die Einordnung: Ein niedriger Blutdruck ist nicht automatisch eine Krankheit. Laut dem österreichischen Gesundheitsportal gesundheit.gv.at gilt er erst dann als behandlungsbedürftig, wenn die inneren Organe nicht mehr ausreichend durchblutet werden und Beschwerden auftreten. Wer sich mit niedrigen Werten wohlfühlt, ist nicht krank.
Welche Werte als normal gelten und wie du richtig misst, erklären wir ausführlich im Artikel zu den Blutdruck-Normalwerten nach Leitlinie.
Ab wann ist niedriger Blutdruck gefährlich?
Gefährlich wird es vor allem dann, wenn der Blutdruck plötzlich stark abfällt und das Gehirn kurzzeitig zu wenig Blut bekommt. Die Folgen können Schwindel, Sehstörungen und Ohnmacht sein. Gerade bei älteren Menschen steigt dadurch das Risiko für Stürze und Verletzungen. Ein dauerhaft niedriger, aber stabiler Wert ohne Beschwerden ist dagegen in aller Regel unbedenklich.
Niedriger Blutdruck: Symptome erkennen
Die Beschwerden sind oft unspezifisch und lassen sich leicht mit Schlafmangel oder Stress verwechseln. Typische Symptome treten besonders morgens, nach langem Stehen oder bei Hitze auf. Die TK und gesundheit.gv.at nennen unter anderem diese Anzeichen:
- Schwindel und Benommenheit, vor allem beim schnellen Aufstehen
- Müdigkeit und Antriebslosigkeit, eine lange Anlaufzeit am Morgen
- Konzentrationsprobleme und schnelle Erschöpfung
- Kalte Hände und Füße
- Flimmern oder Schwarzwerden vor den Augen, Ohrensausen
- Kopf- und Nackenschmerzen, Herzklopfen
- Innere Unruhe, Schlafstörungen, Wetterfühligkeit
- In seltenen Fällen kurze Ohnmacht (Synkope)
Viele dieser Beschwerden haben auch andere Ursachen. Fühlst du dich trotz ausreichender Nachtruhe dauerhaft erschöpft, lohnt sich ein Blick auf unseren Ratgeber zu Müdigkeit trotz viel Schlaf. Ein Blutdruckmessgerät hilft dir, den Zusammenhang mit deinen Werten zu prüfen.
Niedriger Blutdruck: Symptome bei Frauen
Frauen sind häufiger betroffen als Männer, besonders junge, schlanke Frauen. Die Beschwerden unterscheiden sich nicht grundsätzlich, werden aber oft durch weitere Faktoren verstärkt. Während der Menstruation, in der Schwangerschaft oder bei Hitze kann der Kreislauf zusätzlich schwächeln. Halten Schwindel und Schwäche an, sollte eine Ärztin oder ein Arzt auch an einen Eisenmangel oder eine Blutarmut denken.
Niedriger Blutdruck und hoher Puls
Viele Betroffene bemerken, dass ihr Herz beim Aufstehen schneller schlägt. Das ist zunächst eine sinnvolle Gegenreaktion: Sinkt der Druck, erhöht der Körper die Herzfrequenz, um das Gehirn weiterhin zu versorgen. Kommen jedoch Herzrasen, Brustschmerzen oder Atemnot hinzu oder bleibt der Puls in Ruhe deutlich erhöht, solltest du die Ursache ärztlich abklären lassen.

Niedriger Blutdruck: Ursachen und Formen
Fachleute unterscheiden mehrere Formen der Hypotonie. Die Einteilung hilft zu verstehen, ob dein niedriger Blutdruck eine eigene Veranlagung ist oder ob eine andere Ursache dahintersteckt.
Primäre Hypotonie
Die häufigste Form hat keine erkennbare Ursache. Sie tritt familiär gehäuft auf und betrifft vor allem junge, schlanke Frauen. Diese Form ist in der Regel harmlos und gilt nur dann als behandlungsbedürftig, wenn sie den Alltag deutlich einschränkt.
Sekundäre Hypotonie
Hier ist niedriger Blutdruck die Folge einer anderen Ursache. Dazu zählen:
- Flüssigkeitsmangel, etwa durch zu wenig Trinken, starkes Schwitzen, Erbrechen oder Durchfall
- Medikamente wie Blutdrucksenker, entwässernde Mittel oder bestimmte Antidepressiva
- Herzerkrankungen wie eine Herzschwäche
- Hormonelle Störungen, etwa eine Schilddrüsenunterfunktion
- Diabetes mellitus und neurologische Erkrankungen wie Parkinson
- Langes Liegen, zum Beispiel nach einer Krankheit oder Operation
Ein häufiger Auslöser im Alltag ist ein Magen-Darm-Infekt: Durch Erbrechen und Durchfall verliert der Körper viel Flüssigkeit, und der Kreislauf sackt ab. Woran du einen solchen Infekt erkennst und wie du ihn auskurierst, liest du in unserem Artikel zu Magen-Darm-Symptomen.
Orthostatische Hypotonie
Bei dieser Form fällt der Blutdruck nur beim Aufstehen oder nach längerem Stehen deutlich ab, weil das Blut der Schwerkraft folgend in die Beine sackt. Sie tritt besonders oft ab einem Alter von 65 Jahren auf. Eine Sonderform ist die postprandiale Hypotonie, bei der der Druck nach dem Essen absinkt, weil viel Blut in den Verdauungstrakt fließt.
Niedriger Blutdruck: Was tun? 7 bewährte Tipps
Bei der primären Hypotonie ohne ernsthafte Erkrankung helfen in erster Linie Alltagsmaßnahmen. Sie trainieren deine Gefäße, bringen den Kreislauf in Schwung und verringern die typischen Beschwerden. Probiere diese Schritte nacheinander aus:
- Langsam aufstehen: Bewege morgens im Liegen zunächst Füße und Beine, als würdest du Rad fahren, und atme ein paar Mal tief durch. Setz dich dann für einen Moment auf die Bettkante, bevor du aufstehst.
- Genug trinken: Die TK empfiehlt mindestens zwei Liter Flüssigkeit am Tag, gesundheit.gv.at nennt zwei bis drei Liter. Ein Glas Wasser direkt nach dem Aufwachen hilft dem Kreislauf beim Start.
- Regelmäßig bewegen: Ausdauersport wie Schwimmen, Radfahren, Laufen oder Gymnastik stärkt Herz und Gefäße.
- Sitzphasen unterbrechen: Steh bei Büroarbeit regelmäßig auf, streck dich und geh ein paar Schritte.
- Wechselduschen: Kalt-warme Duschen oder Kneipp-Anwendungen regen die Gefäße an, sich zusammenzuziehen und wieder zu weiten.
- Kompressionsstrümpfe: Sie verhindern, dass zu viel Blut in den Beinen versackt, und sind besonders bei langem Stehen hilfreich.
- Kleinere Mahlzeiten: Mehrere kleine statt weniger großer Portionen beugen dem Blutdruckabfall nach dem Essen vor.
Bewegung muss dabei kein Leistungssport sein. Schon ein flotter Spaziergang am Morgen bringt deinen Kreislauf auf Touren. Warum regelmäßiges Spazierengehen so gesund ist, haben wir in einem eigenen Artikel zusammengefasst.
Wie viel Salz bei niedrigem Druck?
Gesundheit.gv.at nennt eine salzreiche Kost als mögliche Maßnahme bei primärer Hypotonie. Salz bindet Wasser im Körper und kann das Blutvolumen erhöhen. Sprich das trotzdem vorher mit deiner Hausarztpraxis ab, denn bei Herz- oder Nierenerkrankungen kann zusätzliches Salz schaden.
Hilft Kaffee gegen niedrigen Blutdruck?
Viele schwören auf die Tasse Kaffee am Morgen. Koffein kann den Blutdruck kurzfristig etwas anheben, doch der Effekt hält nicht lange an und fällt bei Menschen, die regelmäßig Kaffee trinken, oft geringer aus. Kaffee ersetzt deshalb weder ausreichendes Trinken noch Bewegung. Genieße ihn ruhig, aber verlass dich nicht allein darauf.

Sofortmaßnahmen bei Schwindel und Kreislaufproblemen
Wenn dir plötzlich schwindelig wird oder es dir schwarz vor Augen wird, zählt jede Sekunde. Mit wenigen Handgriffen beugst du einem Sturz vor und bringst den Kreislauf wieder in Gang.
- Sofort hinsetzen oder hinlegen: Laut gesundheit.gv.at bessern sich die Beschwerden im Sitzen oder Liegen meist schnell.
- Beine hochlegen: So fließt mehr Blut zurück zum Herzen und zum Gehirn.
- Beine überkreuzen und anspannen: Musst du stehen bleiben, spanne Bein- und Gesäßmuskeln an und überkreuze die Beine.
- Etwas trinken: Sobald es dir besser geht, trink ein Glas Wasser.
- Langsam wieder aufstehen: Warte, bis der Schwindel vollständig verschwunden ist.
Fühlst du dich nach einigen Minuten nicht besser, kommen Brustschmerzen oder Atemnot hinzu oder warst du kurz bewusstlos, ruf den Notruf 112 oder lass dich ärztlich untersuchen.
Wann du mit niedrigem Blutdruck zum Arzt solltest
Ein niedriger Blutdruck ohne Beschwerden braucht keine Behandlung. Einige Situationen solltest du aber ernst nehmen und zeitnah ärztlich abklären lassen. Ansprechpartner sind die Hausarztpraxis oder Fachärztinnen und Fachärzte für Innere Medizin.
- Du bist kurz ohnmächtig geworden oder gestürzt, ohne einen klaren Grund zu kennen.
- Schwindel, Sehstörungen oder Erschöpfung schränken deinen Alltag deutlich ein.
- Die Beschwerden sind neu, treten plötzlich auf oder werden stärker.
- Du nimmst Medikamente und bemerkst seitdem Kreislaufprobleme.
- Herzrasen, Herzstolpern, Brustschmerzen oder Atemnot kommen hinzu.
- Du hast Anzeichen eines starken Flüssigkeitsmangels, etwa nach anhaltendem Erbrechen oder Durchfall.
Wichtig: Setze verordnete Medikamente nie eigenmächtig ab, auch wenn du sie im Verdacht hast. Besprich lieber mit deiner Ärztin oder deinem Arzt, ob Dosis oder Wirkstoff angepasst werden können.
So läuft die Diagnose ab
Die Ärztin oder der Arzt misst zunächst den Blutdruck, oft im Liegen und im Stehen, um eine orthostatische Hypotonie zu erkennen. Bei Bedarf folgt eine 24-Stunden-Messung. Bei dauerhaft niedrigen Werten prüft die Praxis außerdem, ob Medikamente oder organische Ursachen infrage kommen. Mehr dazu erklärt die Techniker Krankenkasse in ihrem Überblick zur Hypotonie.
Gibt es Medikamente gegen niedrigen Blutdruck?
Es gibt Medikamente, die den Blutdruck anheben. Sie kommen aber nur in Ausnahmefällen zum Einsatz, wenn Alltagsmaßnahmen nicht ausreichen und die Beschwerden stark belasten. Bei der sekundären Hypotonie steht die Behandlung der Grunderkrankung im Vordergrund.
Niedriger Blutdruck im Alltag: Gewohnheiten, die helfen
Neben den Tipps oben gibt es kleine Routinen, die über Wochen einen spürbaren Unterschied machen. Niedriger Blutdruck reagiert gut auf Regelmäßigkeit: Je stabiler dein Tagesablauf, desto besser kann sich dein Kreislauf darauf einstellen.
- Ausreichend schlafen: Feste Schlafenszeiten unterstützen einen stabilen Kreislauf.
- Mit erhöhtem Oberkörper schlafen: Gesundheit.gv.at empfiehlt das bei orthostatischer Hypotonie.
- Hitze meiden: Heiße Bäder, Sauna und pralle Sonne weiten die Gefäße. Plane an heißen Tagen Pausen im Schatten ein.
- Alkohol reduzieren: Alkohol weitet die Gefäße und kann einen niedrigen Druck zusätzlich senken.
- Ausdauer aufbauen: Fang langsam an und steigere dich, statt dich zu überfordern.
Ein Blutdrucktagebuch kann dir helfen, Muster zu erkennen. Notiere morgens und abends deine Werte, den Puls und eventuelle Beschwerden. So siehst du, ob niedriger Blutdruck tatsächlich hinter deinem Schwindel steckt, und hast für einen Arzttermin eine gute Grundlage.
Niedriger Blutdruck zu Hause richtig messen
Wer seinen Kreislauf besser verstehen will, kommt um eigene Messungen kaum herum. Damit die Werte aussagekräftig sind, kommt es auf die richtige Technik an. Die Deutsche Hochdruckliga gibt in ihrer Patientenbroschüre klare Hinweise, die auch bei niedrigen Werten gelten:
- Fester Zeitpunkt: Miss morgens und abends, möglichst immer zur gleichen Uhrzeit.
- Ruhe vorher: Verzichte 30 Minuten vor der Messung auf Kaffee, Rauchen, Essen und Sport.
- Richtig sitzen: Sitz etwa fünf Minuten ruhig, den Rücken angelehnt und die Füße flach auf dem Boden.
- Manschette auf Herzhöhe: Lege sie mittig am Oberarm an. Bei Handgelenkgeräten hebst du den Unterarm auf Herzhöhe an.
- Zweimal messen: Miss mit mindestens einer Minute Abstand zweimal und notiere beide Werte samt Puls.
Bei Verdacht auf eine orthostatische Hypotonie kannst du zusätzlich nach dem Aufstehen messen und die Werte vergleichen. Nutze nur ein geprüftes Gerät, die Deutsche Hochdruckliga erklärt das Vorgehen in ihrer Broschüre. Bring dein Messprotokoll zum nächsten Arzttermin mit, denn mehrere Werte über einige Tage sagen deutlich mehr aus als eine einzelne Messung in der Praxis.
Fazit: Niedriger Blutdruck ist meist harmlos, aber nicht egal
Niedriger Blutdruck ist in den meisten Fällen eine harmlose Veranlagung, die dich im Alltag aber ganz schön ausbremsen kann. Mit langsamem Aufstehen, ausreichend Flüssigkeit, regelmäßiger Bewegung und Wechselduschen bringst du deinen Kreislauf zuverlässig in Schwung.
Hör trotzdem auf deinen Körper: Ohnmacht, Stürze, plötzliche neue Beschwerden oder Herzrasen gehören in ärztliche Hände. So stellst du sicher, dass keine andere Erkrankung oder ein Medikament dahintersteckt und du dich wieder fit und leistungsfähig fühlst.
Häufige Fragen: Niedriger Blutdruck
Was ist ein zu niedriger Blutdruck?
Fachleute sprechen laut Techniker Krankenkasse bei Männern ab Werten unter 110/70 mmHg und bei Frauen unter 100/60 mmHg von niedrigem Blutdruck. Andere Quellen setzen die Grenze bei einem systolischen Wert unter 100 mmHg an. Als behandlungsbedürftig gilt ein niedriger Blutdruck aber erst, wenn Beschwerden wie Schwindel, Ohnmacht oder starke Erschöpfung auftreten.
Was tun bei niedrigem Blutdruck?
Steh morgens langsam auf, trink über den Tag verteilt ausreichend und beweg dich regelmäßig, zum Beispiel mit Schwimmen, Radfahren oder Spaziergängen. Wechselduschen und Kompressionsstrümpfe unterstützen die Gefäße. Bei akutem Schwindel setz oder leg dich sofort hin und lagere die Beine hoch. Treten Ohnmacht oder neue starke Beschwerden auf, lass dich ärztlich untersuchen.
Welche Symptome hat niedriger Blutdruck?
Typisch sind Schwindel beim Aufstehen, Müdigkeit, Konzentrationsprobleme, kalte Hände und Füße sowie Flimmern vor den Augen oder Ohrensausen. Manche Menschen haben Kopf- oder Nackenschmerzen, Herzklopfen oder schlafen schlecht. Selten kommt es zu einer kurzen Ohnmacht. Viele Menschen mit niedrigen Werten haben jedoch überhaupt keine Beschwerden und sind deshalb auch nicht krank.
Ist niedriger Blutdruck gefährlich?
In den meisten Fällen nicht. Niedriger Blutdruck gilt laut Gesundheitsportalen als meist harmlos, solange keine Beschwerden auftreten. Gefährlich kann es werden, wenn der Druck plötzlich stark abfällt und du ohnmächtig wirst oder stürzt, vor allem im höheren Alter. Auch wenn eine Erkrankung oder ein Medikament dahintersteckt, ist eine ärztliche Abklärung wichtig.
Warum habe ich bei niedrigem Blutdruck einen hohen Puls?
Wenn der Blutdruck sinkt, versucht der Körper gegenzusteuern und lässt das Herz schneller schlagen, damit das Gehirn weiter gut durchblutet wird. Das passiert häufig beim Aufstehen. Hält der hohe Puls jedoch auch in Ruhe an oder kommen Brustschmerzen, Atemnot oder Herzstolpern dazu, solltest du die Ursache ärztlich abklären lassen.
