Der Sonnengruß ist eine fließende Abfolge von Yogahaltungen, die Vorbeugen, Rückbeugen und Stützpositionen im Rhythmus des Atems verbindet. Sonnengruß Yoga, auf Sanskrit Surya Namaskar, gehört zu den bekanntesten Sequenzen überhaupt. Sie wärmt den ganzen Körper auf, mobilisiert die Wirbelsäule und hilft dir, in wenigen Minuten bei dir anzukommen. Genau deshalb steht der Sonnengruß in vielen Yogastunden ganz am Anfang.
In diesem Guide lernst du die klassische Abfolge in zwölf Schritten kennen, erfährst, was der Sonnengruß bewirken kann, und bekommst Varianten für Anfängerinnen und Anfänger. Außerdem liest du, welche Fehler häufig passieren und wann du vorsichtig sein solltest.
Was ist der Sonnengruß im Yoga?
Der Sonnengruß ist eine Sequenz aus etwa zwölf Haltungen, die nahtlos ineinander übergehen und jeweils mit einem Ein- oder Ausatmen verbunden sind. Er beginnt und endet im aufrechten Stand und führt dich über Vorbeuge, Ausfallschritt, Planke, Kobra und herabschauenden Hund. Eine Runde dauert je nach Tempo etwa ein bis zwei Minuten.
Traditionell wird der Sonnengruß als Gruß an die Sonne verstanden, die in vielen Kulturen für Energie und Leben steht. Heute nutzen ihn die meisten vor allem als Aufwärmprogramm und Bewegungsmeditation. Sonnengruß Yoga lässt sich in nahezu jeden Stil integrieren, vom ruhigen Hatha bis zum dynamischen Vinyasa.
Sonnengruß A, B und die klassische Variante
Es gibt nicht nur einen Sonnengruß. Die hier beschriebene klassische Abfolge in zwölf Schritten mit Ausfallschritt ist in vielen Hatha-Schulen verbreitet. Im Ashtanga und Vinyasa werden meist Sonnengruß A und Sonnengruß B geübt.
- Klassischer Sonnengruß: zwölf Schritte mit Ausfallschritt, ruhiges Tempo, ideal für Einsteiger.
- Sonnengruß A: kürzere Abfolge ohne Ausfallschritt, mit Sprung oder Schritt in die Planke.
- Sonnengruß B: erweitert A um Stuhlhaltung und Krieger I, deutlich fordernder.
Sonnengruß Yoga Schritt für Schritt: die klassische Abfolge
Stelle dich an das vordere Ende deiner Matte, die Füße hüftbreit oder geschlossen. Atme einige Male ruhig durch die Nase ein und aus. Dann folgst du dieser Abfolge, wobei jeder Schritt mit einem Atemzug verbunden ist:
- Gebetshaltung (Pranamasana): Stehe aufrecht, die Handflächen liegen vor der Brust aneinander. Atme aus und komme zur Ruhe.
- Erhobene Arme (Hasta Uttanasana): Einatmend führst du die Arme nach oben, streckst dich lang und gehst in eine leichte Rückbeuge, ohne im unteren Rücken einzuknicken.
- Vorbeuge (Uttanasana): Ausatmend beugst du dich mit langem Rücken aus der Hüfte nach vorn. Die Hände kommen neben die Füße, die Knie dürfen gebeugt sein.
- Ausfallschritt (Ashwa Sanchalanasana): Einatmend setzt du das rechte Bein weit nach hinten und legst das Knie ab. Das linke Knie steht über dem Fußgelenk, der Blick geht nach vorn.
- Brett (Planke): Mit angehaltenem oder ausströmendem Atem setzt du auch das linke Bein zurück. Dein Körper bildet eine gerade Linie von Kopf bis Fersen.
- Knie-Brust-Kinn (Ashtanga Namaskara): Ausatmend senkst du Knie, Brust und Kinn zur Matte, das Becken bleibt leicht angehoben.
- Kobra (Bhujangasana): Einatmend gleitest du nach vorn, legst das Becken ab und hebst den Oberkörper mit Kraft aus dem Rücken an.
- Herabschauender Hund (Adho Mukha Svanasana): Ausatmend schiebst du das Becken nach hinten oben, bis dein Körper ein umgedrehtes V bildet. Die Fersen ziehen Richtung Boden.
- Ausfallschritt: Einatmend bringst du den rechten Fuß nach vorn zwischen die Hände, das linke Knie sinkt ab.
- Vorbeuge: Ausatmend holst du den linken Fuß nach vorn und hängst locker in die Vorbeuge.
- Erhobene Arme: Einatmend rollst du mit langem Rücken auf und führst die Arme nach oben.
- Gebetshaltung: Ausatmend bringst du die Hände vor die Brust zurück und spürst nach.
Damit ist eine halbe Runde abgeschlossen. In der zweiten Hälfte wiederholst du alles mit dem linken Bein im Ausfallschritt. Erst beide Seiten zusammen ergeben einen vollständigen Sonnengruß.
So atmest du beim Sonnengruß Yoga richtig
Als Faustregel gilt: Öffnende und aufrichtende Bewegungen begleitest du mit dem Einatmen, beugende und schließende Bewegungen mit dem Ausatmen. Atme ruhig durch die Nase. Wenn dir ein Atemzug pro Bewegung zu schnell ist, nimm einfach einen zusätzlichen Atemzug in der Haltung.
Der Atem ist dein Tempomacher. Wird er hektisch oder stockt er, gehst du zu schnell oder zu tief in die Haltungen. Wer seine Atmung grundsätzlich schulen möchte, findet einfache Techniken in unseren Atemübungen gegen Stress.

Sonnengruß Yoga für Anfänger: Varianten und Hilfen
Du musst nicht sofort jede Haltung perfekt beherrschen. Sonnengruß Yoga lässt sich gut an deinen Körper anpassen. Diese Vereinfachungen helfen dir beim Einstieg:
- Knie beugen: In der Vorbeuge und im herabschauenden Hund darfst du die Knie großzügig beugen. Ein langer Rücken ist wichtiger als gestreckte Beine.
- Knie ablegen: In der Planke legst du die Knie auf der Matte ab, um Arme und Rumpf zu entlasten.
- Babykobra: Hebe den Oberkörper in der Kobra nur wenig an, die Ellenbogen bleiben gebeugt und nah am Körper.
- Blöcke nutzen: Wenn deine Hände in der Vorbeuge nicht zum Boden reichen, lege sie auf Yogablöcke.
- Langsamer atmen: Bleib in jeder Haltung zwei oder drei Atemzüge, bis du die Abfolge sicher kennst.
Beginne dein Sonnengruß Yoga mit zwei bis vier Runden und steigere langsam. Viele Anfänger lernen die Grundhaltungen zuerst in einem ruhigen Kurs. Hilfreiche Tipps dafür findest du in unserem Guide Yoga für Anfänger.
Sonnengruß Yoga auf dem Stuhl
Wenn dir der Weg auf den Boden schwerfällt, kannst du eine Variante im Sitzen üben. Du hebst die Arme, beugst dich über die Oberschenkel nach vorn, öffnest die Brust mit einer sanften Rückbeuge und ziehst abwechselnd ein Knie zur Brust. Diese Form eignet sich auch für das Büro oder für Menschen mit eingeschränkter Mobilität.
Was bewirkt der Sonnengruß?
Weil Sonnengruß Yoga fast alle großen Muskelgruppen einbezieht, ist es ein effektives Ganzkörper-Warm-up. Wer Sonnengruß Yoga regelmäßig praktiziert, kann diese Effekte bemerken:
- Beweglichkeit: Vor- und Rückbeugen mobilisieren die gesamte Wirbelsäule, Ausfallschritte öffnen die Hüftbeuger.
- Kraft: Planke, Knie-Brust-Kinn und Kobra kräftigen Arme, Schultern, Rücken und Rumpf.
- Durchblutung: Die fließende Bewegung bringt den Kreislauf in Schwung und wärmt die Muskulatur auf.
- Koordination: Die Kopplung von Atem und Bewegung schult Körpergefühl und Konzentration.
- Mentale Ruhe: Der gleichmäßige Rhythmus hilft vielen, Gedanken loszulassen.
Mehrere Runden in zügigem Tempo erhöhen Puls und Atemfrequenz und können so ein Baustein deiner Bewegung sein. Die WHO empfiehlt Erwachsenen mindestens 150 Minuten moderate Bewegung pro Woche. Sonnengruß Yoga ersetzt dabei kein vollständiges Ausdauer- oder Krafttraining, ergänzt es aber sinnvoll.
Sonnengruß Yoga bei Rückenschmerzen
Für Yoga allgemein gibt es Hinweise auf eine leichte Wirkung bei chronischen Kreuzschmerzen. Ein Cochrane-Review zu Yoga bei Kreuzschmerzen fand kleine Verbesserungen im Vergleich zu keinem Training. Studien speziell zum Sonnengruß sind rar.
Bei akuten Rückenschmerzen oder einem Bandscheibenvorfall solltest du die tiefen Vor- und Rückbeugen nicht ohne Rücksprache üben. Die sanfte Babykobra und eine Vorbeuge mit stark gebeugten Knien sind dann oft verträglicher.
Sonnengruß Yoga im Alltag: Wann und wie oft?
Sonnengruß Yoga passt in jeden Tagesablauf, denn du brauchst nur eine Matte und wenige Minuten. Viele üben es morgens, um wach zu werden und den Körper nach der Nacht zu mobilisieren. Auch als kurze Pause vom Schreibtisch oder als Aufwärmen vor dem Sport ist es ideal.
- Morgens: Drei bis fünf ruhige Runden wecken Körper und Geist.
- Vor dem Training: Zwei bis drei zügige Runden wärmen die Muskulatur auf.
- Als eigene Einheit: Fortgeschrittene üben zehn Runden oder mehr als kompakte Praxis.
- Abends: Lieber langsam und mit weniger Rückbeuge, damit du nicht zu aktiviert ins Bett gehst.
Wichtiger als die Rundenzahl ist die Regelmäßigkeit. Schon wenige Minuten täglich können dir nach einigen Wochen mehr Beweglichkeit und ein besseres Körpergefühl bringen. Wenn du dynamischere Flows magst, ist Vinyasa Yoga eine natürliche Weiterentwicklung, für eine ruhigere Praxis eignet sich Hatha Yoga.
Eine 10-Minuten-Routine mit Sonnengruß Yoga
Wenn du eine feste Morgenroutine suchst, probiere diesen einfachen Aufbau. Er braucht nur zehn Minuten und lässt sich problemlos vor dem Frühstück einbauen:
- Ankommen (1 Minute): Setz dich aufrecht hin, schließe die Augen und atme ruhig durch die Nase.
- Mobilisieren (2 Minuten): Katze-Kuh im Vierfüßlerstand, Schulterkreisen und sanftes Hüftkreisen.
- Sonnengruß Yoga (5 Minuten): Zwei langsame Runden zum Kennenlernen, danach zwei bis drei Runden im Atemrhythmus.
- Nachspüren (2 Minuten): Lege dich in Rückenlage oder setze dich und beobachte, wie sich dein Körper anfühlt.
Nach einigen Wochen kannst du die Routine verlängern, etwa mit zusätzlichen Stehhaltungen wie Krieger oder Dreieck. Bleib dabei flexibel: An müden Tagen reicht auch eine einzige ruhige Runde. Entscheidend ist, dass die Übung ein fester, angenehmer Teil deines Tages wird.

Typische Fehler beim Sonnengruß Yoga
Gerade weil Sonnengruß Yoga so bekannt ist, wird es oft hastig und unsauber ausgeführt. Achte auf diese häufigen Fehler:
- Zu schnelles Tempo: Der Atem kommt nicht mit, die Haltungen werden ungenau.
- Hohlkreuz bei erhobenen Armen: Die Rückbeuge kommt aus der Brustwirbelsäule, nicht aus dem unteren Rücken.
- Runder Rücken in der Vorbeuge: Beuge lieber die Knie, statt den Rücken zu krümmen.
- Durchhängende Planke: Halte Bauch und Gesäß aktiv, damit Becken und Schultern eine Linie bilden.
- Schultern zu den Ohren: In der Kobra und im Hund ziehst du die Schultern bewusst weg vom Kopf.
- Belastete Handgelenke: Spreize die Finger weit und verteile das Gewicht über die ganze Hand.
Spürst du nach dem Üben regelmäßig Druck oder Schmerzen in den Handgelenken, kannst du auf die Fäuste oder Unterarme ausweichen. Hintergründe und Übungen findest du in unserem Artikel zu Handgelenk Schmerzen.
Wann du beim Sonnengruß vorsichtig sein solltest
Für die meisten gesunden Erwachsenen ist Sonnengruß Yoga gut geeignet. Die US-Gesundheitsbehörde NCCIH beschreibt Yoga in ihrem Überblick zur Sicherheit von Yoga als für Gesunde allgemein sichere Bewegungsform, wenn es richtig angeleitet wird. In diesen Situationen solltest du vorher Rücksprache halten oder die Abfolge anpassen:
- Schwangerschaft: Bauchlage und tiefe Rückbeugen sind ungeeignet, nutze angepasste Varianten.
- Hoher oder niedriger Blutdruck: Das schnelle Auf und Ab zwischen Stand und Vorbeuge kann Schwindel auslösen.
- Grüner Star (Glaukom): Haltungen mit dem Kopf unter Herzhöhe solltest du ärztlich abklären.
- Akute Rücken- oder Bandscheibenprobleme: Tiefe Beugungen können Beschwerden verstärken.
- Verletzungen an Handgelenken, Schultern oder Knien: Stützhaltungen und Ausfallschritte müssen angepasst werden.
Komm aus der Vorbeuge immer langsam nach oben, damit dein Kreislauf mitkommt. Brich die Übung ab, wenn du Schwindel, Brustschmerzen, Atemnot, starkes Herzklopfen oder stechende Schmerzen bemerkst, und lass diese Beschwerden ärztlich abklären.
Fazit: Sonnengruß Yoga ist die perfekte Routine für jeden Tag
Sonnengruß Yoga verbindet in wenigen Minuten Kraft, Beweglichkeit, Atem und Konzentration. Die klassische Abfolge in zwölf Schritten ist leicht zu lernen, lässt sich an jedes Niveau anpassen und passt in jeden Alltag, ob morgens, vor dem Sport oder als kurze Pause.
Starte mit wenigen langsamen Runden, nutze Varianten wie gebeugte Knie oder Babykobra und steigere dich mit der Zeit. Achte auf deinen Atem als Tempomacher. Und wenn gesundheitliche Besonderheiten auf dich zutreffen, sprich vorher mit deiner Ärztin oder deinem Arzt.
Häufige Fragen zu Sonnengruß Yoga
Wie geht der Sonnengruß beim Yoga?
Der klassische Sonnengruß besteht aus zwölf Schritten: Gebetshaltung, erhobene Arme, Vorbeuge, Ausfallschritt, Brett, Knie-Brust-Kinn, Kobra, herabschauender Hund, Ausfallschritt, Vorbeuge, erhobene Arme und wieder Gebetshaltung. Jede Bewegung ist mit einem Ein- oder Ausatmen verbunden. Danach wiederholst du die Abfolge mit dem anderen Bein im Ausfallschritt.
Was bewirkt der Sonnengruß?
Sonnengruß Yoga wärmt den ganzen Körper auf, mobilisiert die Wirbelsäule und öffnet die Hüftbeuger. Planke und Kobra kräftigen Arme, Schultern und Rumpf. Die Kopplung von Atem und Bewegung schult Konzentration und kann beim Abschalten helfen. Es ersetzt kein vollständiges Training, ist aber ein wertvoller Baustein für mehr Bewegung im Alltag.
Wie viele Sonnengrüße sollte man machen?
Für Anfänger sind zwei bis vier langsame Runden ein guter Start. Als Aufwärmen vor dem Sport reichen meist zwei bis drei Runden. Wer den Sonnengruß als eigene Einheit übt, steigert sich mit der Zeit auf zehn oder mehr Runden. Wichtiger als die Anzahl ist eine saubere Ausführung und dass du regelmäßig übst.
Ist der Sonnengruß für Anfänger geeignet?
Ja, Sonnengruß Yoga eignet sich gut für Anfänger, wenn du es an deinen Körper anpasst. Beuge in der Vorbeuge und im herabschauenden Hund die Knie, lege in der Planke die Knie ab und übe die Kobra nur leicht. Bleib anfangs mehrere Atemzüge in jeder Haltung, bis du die Abfolge sicher kennst.
Was ist der Unterschied zwischen Sonnengruß A und B?
Sonnengruß A ist die kürzere Abfolge aus dem Ashtanga und Vinyasa Yoga, ohne Ausfallschritt und mit direktem Übergang in die Planke. Sonnengruß B erweitert diese Sequenz um Stuhlhaltung und Krieger I und ist dadurch deutlich anstrengender. Der klassische Sonnengruß mit Ausfallschritt ist dagegen ruhiger und besonders für Einsteiger geeignet.
