Intervalltraining Laufen heißt: Du wechselst gezielt zwischen schnellen Abschnitten und ruhigen Trabpausen, um dein Tempo, deine Sauerstoffaufnahme und deine Tempohärte zu verbessern. Es ist die effektivste Methode, wenn du nicht nur länger, sondern auch schneller laufen möchtest. Schon eine Intervalleinheit pro Woche kann deine 5- oder 10-Kilometer-Zeit spürbar voranbringen.
In diesem Guide zum Intervalltraining Laufen erfährst du, welche Intervallformen es gibt, wie du das richtige Tempo findest und wie du eine Einheit sauber aufbaust. Außerdem bekommst du Beispiel-Einheiten, einen 6-Wochen-Plan und Hinweise, wann du vor harten Tempoläufen besser ärztlich abklären lässt, ob alles in Ordnung ist.
Intervalltraining Laufen: Definition und Wirkung
Intervalltraining beim Laufen ist eine Trainingsmethode, bei der sich Belastungsphasen in hohem Tempo mit Erholungsphasen in lockerem Trab oder Gehen abwechseln. Durch die Pausen kannst du insgesamt mehr Zeit in einem hohen Tempo verbringen, als es bei einem durchgehenden Lauf möglich wäre. Typisch sind Belastungen von 30 Sekunden bis zu mehreren Minuten.
Dein Körper reagiert auf diese Reize mit Anpassungen. Herz und Muskulatur arbeiten effizienter, deine maximale Sauerstoffaufnahme (VO2max) steigt, und du kannst höhere Geschwindigkeiten länger halten. Zusätzlich wird deine Lauftechnik bei höherem Tempo ökonomischer, und du gewöhnst dich mental an das Gefühl, schnell zu laufen.
Die Forschung stützt das: Eine Metaanalyse im Fachjournal Sports Medicine zeigte, dass sowohl klassisches Ausdauertraining als auch hochintensive Intervalle bei gesunden Erwachsenen die VO2max deutlich verbessern, Intervalle sogar etwas stärker. Lockere Dauerläufe bleiben dennoch unverzichtbar, denn sie bilden die Basis, auf der Intervalle erst richtig wirken.
Voraussetzungen: Wann du mit Intervallen startest
Intervalle sind ein starker Reiz, und starke Reize brauchen ein stabiles Fundament. Bevor du mit Tempotraining beginnst, solltest du diese Punkte erfüllen:
- Du läufst seit mindestens drei bis sechs Monaten regelmäßig.
- Du schaffst 30 bis 45 Minuten locker am Stück, ohne danach völlig erschöpft zu sein.
- Du trainierst zwei- bis dreimal pro Woche und bist dabei beschwerdefrei.
- Du kennst dein Wohlfühltempo, bei dem du dich noch unterhalten kannst.
Wenn du noch ganz am Anfang stehst, beginne mit unserem Plan Laufen für Anfänger: in 8 Wochen zu 5 km. Die Gehpausen im Einsteigerplan sind übrigens bereits eine sanfte Form von Intervalltraining.
Auch aus gesundheitlicher Sicht lohnt sich die Kombination aus lockeren und intensiven Läufen. Die Nationalen Empfehlungen für Bewegung nennen für Erwachsene 150 bis 300 Minuten moderate oder 75 bis 150 Minuten intensivere Ausdaueraktivität pro Woche, wobei sich beides kombinieren lässt. Eine Intervalleinheit zählt dabei zu den intensiveren Belastungen.
Krafttraining als Ergänzung
Schnelleres Laufen beginnt nicht nur auf der Strecke. Kräftige Beine, ein stabiler Rumpf und starke Füße helfen dir, die höheren Belastungen von Tempoläufen besser abzufangen. Die Weltgesundheitsorganisation betont, dass sowohl moderate als auch intensive Aktivität die Gesundheit fördert und dass Muskelkräftigung allen Menschen zugutekommt.
Für Läuferinnen und Läufer reichen oft zwei kurze Einheiten pro Woche mit Übungen wie Kniebeugen, Ausfallschritten, Wadenheben und Unterarmstütz. Lege das Krafttraining am besten auf den Tag deiner Intervalleinheit oder auf einen Tag danach, damit die lockeren Tage wirklich locker bleiben.
Die wichtigsten Intervallformen beim Laufen

Nicht jedes Intervall wirkt gleich. Je nach Länge und Tempo trainierst du unterschiedliche Fähigkeiten. Ein abwechslungsreicher Plan nutzt mehrere Formen im Wechsel.
Kurze Intervalle
Kurze, schnelle Abschnitte von 200 bis 400 Metern oder 30 bis 90 Sekunden verbessern Schnelligkeit und Laufökonomie. Das Tempo liegt deutlich über deinem 5-Kilometer-Renntempo. Die Trabpausen sind etwa gleich lang wie die Belastung oder etwas länger.
Lange Intervalle
Abschnitte von 800 bis 2.000 Metern oder drei bis sechs Minuten läufst du in etwa in deinem 5- bis 10-Kilometer-Renntempo. Sie gelten als besonders wirksam für die maximale Sauerstoffaufnahme. Die Trabpausen dauern zwei bis drei Minuten, damit du die nächste Wiederholung wieder in guter Qualität laufen kannst.
Tempodauerlauf
Beim Tempodauerlauf läufst du 15 bis 30 Minuten am Stück in einem „angenehm harten“ Tempo. Du könntest dabei nur noch in kurzen Sätzen sprechen. Der Tempodauerlauf schult deine Fähigkeit, ein zügiges Tempo über längere Zeit zu halten, und ist für 10-Kilometer- und Halbmarathonläufer besonders wertvoll.
Fahrtspiel
Das Fahrtspiel ist die spielerische Variante ohne starre Vorgaben. Während eines lockeren Laufs baust du nach Gefühl schnellere Abschnitte ein, zum Beispiel bis zur nächsten Laterne oder den nächsten Hügel hinauf. Diese Form eignet sich hervorragend für den Einstieg und für Läufe im Gelände.
Bergsprints und Steigerungsläufe
Kurze Sprints von 10 bis 20 Sekunden einen Hügel hinauf kräftigen die Beinmuskulatur und schonen durch die Steigung die Gelenke. Steigerungsläufe über 80 bis 100 Meter, bei denen du allmählich beschleunigst, verbessern deine Lauftechnik. Beides kannst du gut ans Ende eines lockeren Laufs hängen.
Intervalle auf dem Laufband
Im Winter oder bei Dunkelheit ist das Laufband eine gute Alternative. Du stellst Tempo und Pausen exakt ein und musst dich nicht um Glätte oder Verkehr kümmern. Plane für Tempowechsel ein paar Sekunden ein, bis das Band beschleunigt hat, und stelle eine leichte Steigung von etwa einem Prozent ein, damit sich die Belastung ähnlich wie draußen anfühlt. Halte dich nicht an den Griffen fest, sondern lauf frei und aufrecht.
Das richtige Tempo finden
Der häufigste Fehler beim Intervalltraining Laufen ist ein zu hohes Tempo. Wer die ersten Wiederholungen zu schnell angeht, bricht in der zweiten Hälfte ein. Ziel ist, alle Intervalle in ähnlichem Tempo zu laufen und die letzte Wiederholung noch sauber zu schaffen.
Nach Gefühl und Sprechtest
Das Belastungsempfinden ist ein einfacher und zuverlässiger Maßstab. Auf einer Skala von 1 bis 10 liegen lockere Läufe bei etwa 3 bis 4, Tempodauerläufe bei 6 bis 7, lange Intervalle bei 7 bis 8 und kurze Intervalle bei 8 bis 9. Kannst du dich noch in ganzen Sätzen unterhalten, läufst du locker. Reicht es nur noch für einzelne Wörter, bist du im harten Bereich.
Nach Renntempo
Wenn du deine aktuelle Bestzeit über 5 oder 10 Kilometer kennst, kannst du dein Intervalltempo daraus ableiten. Lange Intervalle läufst du ungefähr in deinem 5- bis 10-Kilometer-Renntempo, kurze Intervalle etwas schneller als dein 5-Kilometer-Tempo. Wichtig ist, dein realistisches aktuelles Leistungsniveau zugrunde zu legen und nicht dein Wunschtempo.
Nach Herzfrequenz
Eine Pulsuhr hilft vor allem bei lockeren Läufen und Tempodauerläufen. Bei kurzen Intervallen reagiert der Puls verzögert und erreicht oft erst am Ende der Belastung sein Niveau. Nutze die Herzfrequenz deshalb eher als Kontrolle im Nachhinein und lass dich in den Intervallen vom Gefühl oder vom Tempo leiten.
So läufst du eine Intervalleinheit: Schritt für Schritt
Eine gute Intervalleinheit folgt immer derselben Struktur. Damit holst du das Maximum heraus und senkst gleichzeitig das Verletzungsrisiko:
- Einlaufen: 10 bis 15 Minuten locker traben, bis du dich warm und gelöst fühlst.
- Lauf-ABC und Steigerungen: einige Übungen wie Kniehebelauf oder Anfersen, danach zwei bis drei Steigerungsläufe über 80 Meter.
- Hauptteil: die eigentlichen Intervalle in gleichmäßigem Tempo, dazwischen lockerer Trab oder Gehen.
- Auslaufen: 10 Minuten ruhiges Traben, damit sich Atmung und Puls normalisieren.
- Notieren: Halte Tempo, Pausen und dein Gefühl fest. So siehst du deine Fortschritte über Wochen.
Plane für eine komplette Einheit etwa 45 bis 60 Minuten ein. Der eigentliche Hauptteil macht davon oft nur 15 bis 25 Minuten aus.
Intervalltraining Laufen: Beispiel-Einheiten und 6-Wochen-Plan

Die folgenden Einheiten eignen sich für ambitionierte Freizeitläufer, die ihre 5- oder 10-Kilometer-Zeit verbessern wollen. Wähle pro Woche eine, später maximal zwei intensive Einheiten.
- Einsteiger-Fahrtspiel: 8 × 1 Minute zügig, dazwischen 2 Minuten locker traben.
- Kurze Intervalle: 10 × 400 Meter etwas schneller als dein 5-Kilometer-Tempo, dazwischen 200 Meter Trabpause.
- Lange Intervalle: 5 × 1.000 Meter im 5- bis 10-Kilometer-Renntempo, dazwischen 2 bis 3 Minuten Trab.
- Pyramide: 1 – 2 – 3 – 2 – 1 Minuten zügig mit jeweils gleich langer Trabpause.
- Tempodauerlauf: 20 Minuten angenehm hart nach dem Einlaufen.
Beispiel für einen 6-Wochen-Aufbau
Dieser Plan geht von drei Laufeinheiten pro Woche aus: ein Intervalltag, ein lockerer Lauf und ein längerer ruhiger Lauf am Wochenende.
- Woche 1: Fahrtspiel mit 6 × 1 Minute zügig.
- Woche 2: 8 × 1 Minute zügig, dazu nach dem lockeren Lauf vier Steigerungen.
- Woche 3: 6 × 400 Meter mit 200 Metern Trabpause.
- Woche 4: Entlastung mit einem lockeren Fahrtspiel und etwas weniger Gesamtumfang.
- Woche 5: 4 × 1.000 Meter mit 3 Minuten Trabpause.
- Woche 6: 15 Minuten Tempodauerlauf oder ein Test über 5 Kilometer.
Intervalltraining Laufen vor einem Wettkampf
Hast du einen Volkslauf oder Firmenlauf im Kalender, passt du dein Intervalltraining in den letzten zwei Wochen an. In der vorletzten Woche läufst du noch eine reguläre Einheit, zum Beispiel lange Intervalle im geplanten Renntempo. In der Wettkampfwoche reduzierst du den Umfang deutlich und läufst nur noch wenige kurze, zügige Abschnitte, damit die Beine frisch bleiben.
Nutze diese letzten Einheiten auch, um dein Renntempo zu verinnerlichen. Wer am Wettkampftag weiß, wie sich das Zieltempo anfühlt, startet seltener zu schnell und kann sich das Rennen besser einteilen.
Der Großteil deines Trainings bleibt locker. Diese Balance aus wenigen harten und vielen ruhigen Kilometern hat sich im Ausdauersport bewährt. Wenn du statt auf der Laufstrecke lieber im Wohnzimmer intensiv trainierst, findest du Alternativen in unserem Guide zum HIIT Training.
Fehler, Erholung und Warnzeichen beim Intervalltraining Laufen
Viele Läuferinnen und Läufer machen beim Intervalltraining Laufen dieselben Fehler. Wenn du sie kennst, kannst du sie leicht vermeiden:
- Zu schnell starten: Die ersten Intervalle fühlen sich leicht an, die letzten werden zur Qual.
- Zu viele harte Einheiten: Mehr als zwei Intervalltage pro Woche überfordern die meisten Freizeitläufer.
- Einlaufen weglassen: Kalte Muskeln und Sehnen sind anfälliger für Zerrungen.
- Lockere Läufe zu schnell: Wer auch an ruhigen Tagen Tempo macht, erholt sich nicht und ist bei den Intervallen müde.
- Umfang und Tempo gleichzeitig steigern: Erhöhe immer nur eine Größe.
Erholung gehört zum Training
Nach einer harten Einheit braucht dein Körper Zeit, um sich anzupassen. Plane danach mindestens einen lockeren Tag oder einen Ruhetag ein. Warum Pausen dich schneller machen, erfährst du in unserem Beitrag zur Regeneration im Sport. Kurze Routinen für Hüfte und Sprunggelenke, wie unsere Mobility-Übungen, helfen dir zusätzlich, beweglich zu bleiben.
Wann du ärztlichen Rat brauchst
Hohe Intensitäten belasten Herz und Kreislauf stark. Brich das Training sofort ab und lass dich untersuchen, wenn du Brustschmerzen, Engegefühl, ungewöhnliche Atemnot, Schwindel oder Herzstolpern bemerkst. Bei Herzerkrankungen, Bluthochdruck, Diabetes oder nach einer längeren Trainingspause besprichst du intensives Training vorher mit deiner Ärztin oder deinem Arzt. Laufe außerdem nicht hart, wenn du erkältet bist oder Fieber hast.
Wiederkehrende Schmerzen an Schienbein, Achillessehne oder Knie sind ein Zeichen von Überlastung. Reduziere dann das Tempo und lass Beschwerden, die über mehrere Tage anhalten, ärztlich oder physiotherapeutisch abklären.
Fazit: Mit Struktur zum schnelleren Lauf
Intervalltraining Laufen ist der bewährteste Weg, um dein Tempo zu verbessern. Kurze und lange Intervalle, Tempodauerläufe und Fahrtspiel setzen unterschiedliche Reize und ergänzen sich ideal. Studien zeigen, dass Intervalle die Sauerstoffaufnahme wirksam steigern, wobei lockere Dauerläufe die unverzichtbare Basis bleiben.
Starte mit einer Einheit pro Woche, finde dein realistisches Tempo und steigere dich geduldig. Mit sauberem Einlaufen, ausreichend Erholung und einem wachsamen Blick auf Warnsignale wirst du von Woche zu Woche schneller – und hast dabei mehr Abwechslung im Training.
Häufige Fragen zum Intervalltraining Laufen
Wie oft pro Woche sollte ich Intervalle laufen?
Für die meisten Freizeitläuferinnen und -läufer reichen eine bis zwei Intervalleinheiten pro Woche. Einsteiger starten mit einer Einheit und ergänzen sie durch lockere Dauerläufe. Zwischen zwei harten Einheiten sollte mindestens ein lockerer Tag oder ein Ruhetag liegen. Der Großteil deines wöchentlichen Laufumfangs bleibt bewusst im ruhigen Tempo.
Wie schnell sollte ich die Intervalle laufen?
Das hängt von der Intervallform ab. Lange Intervalle läufst du etwa in deinem 5- bis 10-Kilometer-Renntempo, kurze Intervalle etwas schneller als dein 5-Kilometer-Tempo. Nach Gefühl liegen harte Intervalle bei etwa 7 bis 9 von 10. Wähle das Tempo so, dass du alle Wiederholungen gleichmäßig schaffst und die letzte noch sauber läufst.
Ab wann darf ich als Laufanfänger Intervalle machen?
Sinnvoll ist Intervalltraining, wenn du seit etwa drei bis sechs Monaten regelmäßig läufst und 30 bis 45 Minuten locker am Stück schaffst. Vorher bringen dir ruhige Läufe mehr, weil Sehnen, Bänder und Knochen Zeit brauchen, sich anzupassen. Ein lockeres Fahrtspiel mit kurzen, zügigen Abschnitten ist ein guter erster Schritt.
Was ist der Unterschied zwischen Intervalltraining und Fahrtspiel?
Beim klassischen Intervalltraining sind Distanzen, Tempo und Pausen genau festgelegt, etwa 5 × 1.000 Meter mit drei Minuten Trabpause. Beim Fahrtspiel wechselst du das Tempo spontan nach Gefühl oder Gelände, zum Beispiel bis zur nächsten Kreuzung. Das Fahrtspiel ist weniger strukturiert und eignet sich besonders für den Einstieg in schnellere Läufe.
Sollte ich Intervalle auf der Bahn laufen?
Eine Laufbahn ist praktisch, weil die Distanzen genau stimmen und der Untergrund eben ist. Notwendig ist sie aber nicht. Du kannst Intervalle auch auf einem flachen Weg im Park nach Zeit laufen oder eine GPS-Uhr nutzen. Wechsle gelegentlich die Richtung, wenn du auf der Bahn läufst, um die Belastung in den Kurven auszugleichen.
